Tod in Dachau

Georg Elser kam in den so genannten Prominentenflügel des KZ Dachaus, bewacht von einem der etwas menschlicheren SS-Männer. Er wurde rund um die Uhr bewacht, man befürchtete dass er sich ermorden würde.
 
Schwarze Ironie oder beißender Zynismus? Ein Lager in dem täglich jede Menge Menschen ermordet werden und nur auf die wird acht gegeben, die dem Regime noch etwas nützen. Mit den anderen Lagerinsassen wurden pseudomedizinische Experimente gemacht, sie wurden gefoltert, getötet und missbraucht.

Elser hatte ein paar wenige Privilegien. Er hatte eine größere Zelle, einigermaßen menschliche Wachen (sie hatten den Befehl Elser menschlich zu behandeln), besseres Essen und eine kleine Werkstatt, in der er für die SS-Wachen ab und zu irgendetwas schreinern sollte. Sie bezahlten mit Zigaretten, er rauchte jetzt viel. Außerdem spielte er Zither.
Die Alliierten nahten und alle wussten, dass das KZ Dachau bald geräumt werde. Man befürchtete bei den Häftlingen, dass die SS am Ende Massenexekutionen durchführen werde. Obwohl Elser nicht wusste, dass die Amerikaner nahten (es war den Wachen verboten, den Häftlingen die Situation zu schildern) war ihm bewusst, dass seine Tage gezählt waren.

Er wusste nicht, dass die NS-Diktatur in Trümmern lag. Millionen waren tot, überall in Europa. Die Spuren der KZs wurden vernichtet, die ersten hohen Nazis flohen. Hitler hatte ein tausendjähriges Reich versprochen, die Tausend Jahre waren auf zwölf geschrumpft. Tausende deutsche Bürger hatten ganz umsonst ihre Nachbarn denunziert und dem Führer die Treue gehalten. Die zwölf verbrecherischsten Jahre der deutschen Geschichte waren vergangen und noch Jahrzehnte später sollten die Geschädigten noch nicht entschädigt sein.

Am 5 April 1945 kam im KZ Dachau die Meldung vom Reichsführer-SS Heinrich Himmler an, dass der Schutzhäftling Johann Georg Elser zu liquidieren sei. Es sollte so aussehen, als ob Elser bei einer Fliegerbombe getötet worden wäre.

Die Führung (die nun immer kleiner wurde), hatte nun gesehen, dass ein Prozess gegen Elser, um den SIS anzuklagen, nicht mehr ausführbar war. Unter der scheinheiligen Ausrede, es ginge zum Baden wurde Georg Elser am neunten April zum Krematorium gebracht. Es ist anzunehmen, dass er ahnte, dass das sein letzter Gang sein werde.

Er wurde gegen Abend an einem Fleischerhaken aufgehängt, seine Leiche danach verbrannt.

Dann begann die Auflösung des Lagers Dachau. Die Gefangenen mussten in die Alpen, man plante eine Alpenfestung für Hitler zu bauen. Doch daraus wurde nichts mehr.

Die Durchhalteparolen der NS Führung stießen auf wenig Resonanz in der Bevölkerung und die ersten Wehrmachtssoldaten und Offiziere wurden von der Waffen-SS aufgehängt, als sie die Befehle verweigerten. Zwanzig Tage später waren die Amerikaner im Lager Dachau, sie fanden schreckliche Überbleibsel, Überreste einer Zeit in der Millionen von Menschen gelitten hatten, einer Zeit in der Menschenrechte und Vernunft, in Deutschland, in weiten Kreisen der Bevölkerung nicht mehr existent waren und einfache Männer wie Georg Elser versucht hatten, den Alptraum zu beenden.