Planung und Vorbereitung

Wenn in Königsbronn am Stammtisch Leute für den Nationalsozialismus plädierten und den Reden des "Führers" aus dem Radio lauschten, war Georg Elser immer einer von denen die entweder weggingen oder dagegen stimmten. Entweder man ist dafür oder dagegen, dass war Elsers Leitsatz und obwohl er sich nie besonders für Politik interessiert hatte, war er gegen den Nationalsozialismus. Er sah sich als Mann der Arbeiterschicht und sah auch wie verlogen das Regime gegen die Arbeiter war. 1929 trat er auch dem Rotfrontkämpferbund bei und heftete sich das Zeichen, eine geballte Faust, an den inneren Jackenaufschlag. Besonders schlimm war es für ihn, wenn die begeisterten Anhänger in ein Gebrüll einfielen, dass die Worte "Sieg Heil!" waren.

1938 wollte Hitler das Sudetenland an das "Deutsche Reich" binden und als er mit Krieg drohte, übergab der britische Premierminister Chamberlain ihm das Land um einen Krieg zu verhindern. Bei der Sudetenkrise hatte Elser zu seinem Freund Eugen gesagt, dass die Führung damit immer noch nicht zufrieden sein werde. Damit hatte er recht. Und zu diesem Zeitpunkt überlegte Georg Elser bereits, wie man die Führung abschaffen könnte. Er war bereit alles zu tun um das Geschwür des Hitlerregimes zu beseitigen. Er sprach mit keinem Menschen darüber, außer mit Eugen (erwähnte aber kein Attentat). Zu Eugen sagte er zum Beispiel einmal, dass man die Führung abschaffen müsse. Das er sie abschaffen wollte, dass erwähnte er jedoch nicht.

Am 8 November 1938 reist Georg Elser nach München. Er hat den Plan gefasst eine Bombe im Bürgerbräukelter anzubringen, wenn die "Alten Kämpfer" sich 1939 treffen um mit Hitler den Putsch zu feiern. Als er in München ankommt ist es auch der Tag des ,,Alten Kämpfer Treffen" und als die SA den Marsch zur Feldherrenhalle antritt erlebt Georg Elser zum ersten Mal den erschreckenden Gang der uniformierten, schweigenden Nazis. An der Feldherrenhalle waren 1933, 16 SA Leute beim Putsch gefallen, im Kampfe gegen die Polizei und Hitler hatte sie zu Märtyrern gemacht.

Im Laufe der Zeit hatte Georg Elser den Bürgerbräukeller genau unter die Lupe genommen und war zum Schluss gekommen, dass sich die Bombe am besten in einer Säule verstecken ließ, welche auf der Galerie, oberhalb des Rednerpults stand. Im April 1939 nahm Elser im Königsbronner Steinbruch eine Stelle als Hilfsarbeiter an. Dort besorgte er sich Dynamit. Für die Bombe hatte er detaillierte Pläne angefertigt, die er hauptsächlich bei Nacht zeichnete. Die Bombe wollte er so anbringen, dass bei der Explosion die Decke des Bürgerbräukellers zusammenbrach und Hitler der zu dieser Zeit auf dem Rednerpult stehen würde, würde unter dem Gewicht der Decke erschlagen werden. Das Pulver holte er sich aus Heidenheim, wo er seit 1936 in einer Armaturenfabrik arbeitete. Er erfuhr, dass in der Sonderabteilung der Fabrik für die Rüstung produziert wurde und es gelang ihm ca.200 Pressstückchen Pulver zu entwenden. Die Zündung wollte er mit einer Gewehrpatrone erreichen und er kaufte bei einem Waffengeschäft eine Packung 9mm Patronen für ein Gewehr. Die Bombe war mit einem Zeitzünder versehen, einer Uhr, und bei Zündung würde die ,,Höllenmaschine" nach dem Gewehrprinzip funktionieren: Eine Feder würde ein Holzklötzchen halten. Beim Zeitpunkt, der mittels Uhr eingestellt worden war, würde die Feder loslassen und die Nadel an der Spitze des Holzstückchens würde die Gewehrpatrone zur Zündung bringen. Die Dynamitkapseln aus dem Königsbronner Steinbruch würden ihr übriges tun um eine gewaltige Explosion zu verursachen. (Für eventuelle Fehler dieser Beschreibung bitte ich um Verzeihung.) Im elterlichen Garten in Königsbronn testete Elser das Prinzip mehrmals (selbstverständlich ohne Sprengkapseln, sondern nur mit Gewehrpatrone) und er entschied sich endgültig für das Attentat. Im August 1939 zog Georg Elser nach München um die Arbeit an der Säule zu tun. Anfangs mietete er sich in der Blumenstraße 19 ein, bei der Familie Baumann, die ein Inserat aufgegeben hatte, sie hätte ein Zimmer zu vermieten. Elser verstand sich mit den Baumanns gut, aber da die Miete für ihn zu teuer war, zog er bald in die Türkenstraße 94 um.

Am Abend ging er nun regelmäßig zum Bürgerbräukeller und ließ sich einsperren, ohne dass es jemand bemerkte. Im August und September 1939 verbrachte er ungefähr 35 Tage im Bürgerbräukeller (Bbk), immer kniend, immer daran die Säule auszuhöhlen.

Die ersten drei Tage verbrachte er damit, die Holzverkleidung der Säule abzunehmen und daraus eine Tür zu machen, die er einfach nach Beendigung der Arbeit schließen konnte. So konnte er die Höhle in der Säule verstecken und sogar bei näherem Hinsehen erkannte man die Tür nicht, die er auch noch innen mit Blech ausgekleidet hatte um zu verhindern, dass jemand der darauf klopfte den Hohlraum hören konnte.

Die Arbeit war nicht einfach, denn bei Nacht war die Umgebung des Bürgerbräukellers totenstill und man konnte jedes Geräusch hören. Als erstes musste er den Verputz entfernen, eine leichte Arbeit, die er mit dem Mauermeißel ausführte. Das schwierige war die Backsteine zu entfernen, die einen Höllenlärm machten. Elser konnte sie nur herausmeißeln, wenn die Toilettenspülung des Bbk einsetzte, das geschah alle 10 Minuten, auch wenn keiner da war. Da im Mörtel, der die Backsteine hielt, viele große Steine waren, musste Elser behutsam und geduldig zur Arbeit gehen. Den Staub, die Steine, den Mörtel und den Verputz fing ein Sack auf, den Elser unter der Säule angebracht hatte. Wenn er (er war sehr klein) voll war, schüttete Elser den Bauschutt in einen Schuhkarton. Er arbeitete meistens bis drei oder vier Uhr am Morgen, danach legte er sein Werkzeug in die Säulenhöhle, verschloss die Tür und kehrte den Staub vom Boden auf. In einem Abstellraum übernachtete er immer und morgens, wenn der Bürgerbräukeller aufmachte und die ersten Gäste kamen, verließ er den Saal durch die Hintertür. Den Schutt transportierte er in seiner Tasche und schüttete ihn dann in die Isar. Seinen neuen Vermietern in der Türkenstraße erklärte er, wenn sie ihn fragten was er in der Nacht denn immer täte (sie hatten gemerkt, dass ihr Mieter nachts nie zuhause war) er arbeite an einer neuen Erfindung, die geheim gehalten werden müsse, bis sie fertig sei.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen gab es einmal eine Panne. Ein Mann hatte ihn in der Früh im Abstellraum gesehen und es dem Direktor gemeldet. Die Galerie war nicht für Gäste gedacht. Dem Direktor erklärte er, er habe sich im Abstellraum einen Furunkel am Bein ausdrücken wollen und danach habe er an einem Tisch der Galerie einen Brief schreiben wollen. Der Direktor schickte ihn weg und sagte er solle den Brief im Garten schreiben. An den Vorfall konnte er sich später nicht mehr erinnern.

Am 1 November 1939 brachte Georg Elser die Bombe in der Säule an. Jetzt mussten nur noch die letzten Vorbereitungen getroffen werden.