Kommentar

Elser, Held oder tragische Figur?
 
(Ein persönlicher Kommentar)

Bei dem Satz "Deutscher Widerstand im Hitlerreich" denken die meisten Leute an den 2O Juli 1944, als Claus Graf Schenk von Stauffenberg seine Bombe im "Führerhauptquartier" zündete. Dass es erstens ziemlich spät für ein Attentat war und dass es zweitens von einem Mann ausgeführt worden war, der keine Probleme gehabt hatte, die Bombe zu besorgen und ins "Führerhauptquartier" zu gelangen, daran denkt fast niemand.

Aber der 8 November 1939 ist nur sehr wenig Leuten ein Begriff. Das Attentat im Bürgerbräukeller in München, ausgeführt von Elser dem schwäbischen Tischler. Ausgeführt von einem Mann, der schon frühzeitig erkannte, was das Hitler-Regime wirklich war. Doch viele Leute, die damals schon gelebt haben und heute alt sind, wollten und wollen es gar nicht wissen. Sie wollten es nicht wissen, weil Georg Elser ein Mann gewesen war wie sie auch, einfach und unbekannt! Und trotzdem hatte er die Bombe gelegt und nicht wie sie opportunistisch die Augen geschlossen. Georg Elser zeigt uns heute, dass jeder etwas hätte machen können. JEDER!

Und wenn einer dieser ängstlichen Opportunisten einmal etwas besser hingesehen hätte und nicht mit rechtem erhobenem Arm ,,Heil Hitler" geschrieen hätte, dann hätte das Hitlerreich nie existiert. Elser war einer der Leute neben Stauffenberg, Canaris, Moltke, Oster, Hans und Sophie Scholl, Leber, Reichwein und wie sie noch alle hießen, die nachgedacht hatten, die hingesehen hatten, die gehandelt hatten.

Aber ihn kennt heute fast keiner, in keinem Schulbuch steht sein Name, kein Denkmal erinnert an ihn und wenn nicht Klaus Maria Brandauer ihm einen Film (,,Elser, Einer aus Deutschland", Regie und Hauptrolle K.M: Brandauer.) als Denkmal gesetzt hätte ,würde ihn heute, im Zeitalter der Rationalität, heute wo man versucht das Hitlerreich zu erklären, immer noch keiner kennen. Und wenn noch mehr einfache Bürger so gewesen wären wie Georg Elser, mehr Studenten wie Hans und Sophie Scholl, mehr Soldaten wie Stauffenberg und Oster (Stabschef bei der Militärischen Abwehr, führender Kopf des Widerstandes im Militär) mehr Leute sich gewagt hätten, etwas zu tun, dann wäre Hitler ohne Anhänger wieder gegangen. Elser war kein Held, er war aber mutig, denn er wusste, dass die Gestapo ihn vielleicht schnappen würde. Und es ist tragisch und deprimierend, dass der Lohn für seine Anstrengungen, der Strick war. Elsers Attentat hat ihn doppelt bestraft und die Folterungen der Gestapo haben ihn noch dazu zermürbt und gebrochen. Und manch einer fragt sich jetzt, ob es denn überhaupt Gerechtigkeit gibt.

Gibt es Gerechtigkeit? Für die Widerständler im Regime gab es keine. Sie mussten alle sterben, nur ganz wenige überlebten. Sie starben alle, mit ihren Träumen, mit ihren Illusionen und mit ihrer Tapferkeit. Viele sind bekannt, aber Elsers tragische Unbekanntheit ist ein Zeichen dafür, dass es für manche, selbst nach dem Tod keine ,,Belohnung" gab.

Georg Elser ist also eine tragische Figur der Deutschen und erst jetzt beginnt man das langsam zu verstehen. Diese Seiten sollen eine Erinnerung sein, ein Denkmal in kommunikativer Form, eine Ehrung und ein Gedenken.