Gestapo - Haft

Zwei Gestapo-Leute brachten Georg Elser nach Konstanz in ein Gestapo-Büro. Nachdem der Polizeiassistent Graeter, Elser wegen dem Grenzübergang vernommen hatte, kam aus München die Nachricht: Ein Attentat, alle Grenzen seien verschärft zu überwachen, verdächtige Personen seien zu vernehmen. Am Anfang glaubt keiner der Gestapo-Leute in Elser einen Attentäter, aber sie vernehmen ihn trotzdem und nehmen seine Personalien auf. Graeter merkt schon früh, dass Elser ein zäher Brocken ist. Informationen gibt er kaum, auf direkte Fragen hat er ausweichende Antworten und manchmal auch logische, erklärende. Müde und gereizt schreibt Graeter einen Bericht und schickt ihn weg. Darin steht unter anderem, dass eine Täterschaft bei Elser unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen sei.

Nachmittag, 9 November, kommt der Befehl aus München, Elser sofort nach München zum Geheimen Staatspolizeiamt (Gestapo) zu transportieren. Damit beginnt ein langer Alptraum für Georg Elser, der noch ganz ruhig ist.

Inzwischen war seine Familie auch aus Königsbronn nach Heidenheim gebracht worden und sie wurden dort verhört, jedoch ihre Antworten und Auskünfte ließen den Schluss zu, dass Elser mit der Sache nichts zu tun hatte.

In München war inzwischen eine Sonderkommission "Bürgerbräukeller" gebildet worden unter der Leitung von Arthur Nebe, SS-Obergruppenführer und Leiter des Reichskriminalpolizeiamt RKPA (er hatte später Kontakt mit der Widerstandsgruppe um Admiral Canaris, Leiter des militärischen Geheimdienstes.) Die Sonderkommission arbeitete akribisch genau. Die Trümmer des Bürgerbräukellers wurden durchsucht nach Teilen der Bombe, alle Bediensteten des Bürgerbräukellers wurden vernommen, über alle 120 als Attentäter in Frage kommenden Verdächtigen wurden Informationen beschafft, Dossiers erstellt usw. Die Arbeit der Gestapo war erschreckend genau und brutal.

Später wurde Elser von Nebe persönlich verhört, aber auch dieser bekam keine Informationen, die wichtig erschienen. An einen Einzeltäter glaubte sowieso keiner und die Zeitungen waren fest überzeugt, dass die Attentäter Secret Service Agenten waren.

Derweilen hatten die Gestapo-Leute den Platz gefunden, wo die Bombe angebracht gewesen war und ein Obersturmbannführer der SS, Kriminalrat Huber hatte sich die Stelle angeschaut. Es war ihm durch den Kopf geschossen, dass der Attentäter jede Nacht auf Knien gearbeitet haben musste. Als er Elser verhörte fiel ihm das plötzlich wieder ein und er ließ Elser die Hosenbeine hochkrempeln. Was er da sah, sagte ihm alles. Elsers Knie waren von der Arbeit geschwollen und vereitert. Sie hatten den Attentäter gefunden.

Vor den führenden Männern der Sonderkommission "Bürgerbräukeller" legte Georg Elser sein Geständnis ab. Ja er war es gewesen, nein er hatte keine Hintermänner, nein niemand hatte davon gewusst. Elser gab ein vollständiges Geständnis ab. Doch Huber wollte die Einzeltäterschaft nicht glauben und am 14 November 1939 ließ er Elser nach Berlin bringen. Und zwar in die am meisten gefürchtete deutsche Adresse, in das Gebäude in dem der gesamte Terrorapparat des Hitlerreiches zuhause war. PRlNZ-ALBRECHT-STRAßE 8, in dieser Straße stand das RSHA (Reichssicherheitshauptamt), dessen Amt IV die Gestapo war. Hier in einer Zelle wartete Elser auf weitere Vernehmungen.

Die Presse baute die Sache weiter aus. Elser wurde als "satanisches Untier" beschrieben, dass zwar intelligente Augen hätte und gar nicht wie ein Attentäter aussehe, aber der Mann sei der, der das ,,gemeinste und abscheulichste Verbrechen aller Zeit" begangen hätte. Und als dann noch in Holland zwei Secret Service (Britischer Geheimdienst: Abkürzung SIS) Agenten von zwei deutschen angeblichen Widerstandskämpfern ins Reich gelockt worden waren und festgenommen worden waren, entstand das Gerücht, das sie die Hintermänner Elsers seien. In Königsbronn hatte die Gestapo inzwischen alle Bekannte und Verwandte in einen Zug nach Berlin gesetzt. Die Todes-Maschinerie lief warm. Die Verwandtschaft wurde tagelang festgehalten, bevor sie erfuhr das Georg Elser der Bürgerbräuattentäter war und sie mussten seine gesamte Lebensgeschichte erzählen, Fragen zu seiner Person beantworten und beantworten ob sie was von dem Attentat gewusst hatten.

Georg Elser wurde nun unter "Verschärften Vernehmungen" ausgefragt. Euphemismus pur. Er wurde gefoltert und geschlagen, in seiner Zelle war er auch nicht sicher vor den schlagenden Gestapobeamten. Er wurde seiner Schwester Maria entgegengestellt. Sie erinnerte sich, dass sein Gesicht angeschwollen war und seine Augen in tiefen Höhlen gelegen hätten.

Georg Elser war gebrochen. Er erzählte immer die Wahrheit, aber die Gestapo glaubte nicht an einen Einzelkämpfer. Auch seiner Mutter wurde er gezeigt, die Gestapo hoffte, sie werde bei seinem Anblick neue Informationen preisgeben. Doch keiner aus der Familie wusste etwas und Maria wurde als letzte erst 1940 freigelassen. Die Gestapo zeigte Elser am Ende einen Film, den sie aufgenommen hatten bei der Beerdigung der gestorbenen Nazis. Georg Elser brach zusammen. Die Strategie hatte ihren Zweck erreicht. Bei dem Anblick weinender Frauen und Kinder, der Verstorbenen gab Elser zu Protokoll, dass er nie wieder ein Attentat ausführen würde. Außerdem sagte er, er habe seine politische Meinung geändert und bei Freilassung würde er versuchen die Sache wieder gutzumachen. Natürlich wusste er, dass er die Entlassung nicht erleben werde. Hitler kam das ganze im nach hinein sehr gelegen. Er wollte Elser erst nach dem Krieg einen Prozess machen um zu zeigen, wie brutal und entschlossen der SIS vorging. Bis dahin musste man Elser am Leben lassen und schauen, dass er nicht Selbstmord begehe.

Er kam ins KZ Sachsenhausen.