Das Attentat

Am ersten November brachte er die Bombe an und am zweiten füllte er die restlichen Sprengkapseln, Pulverstücke und Patronen in die Säule. Die psychische Belastung war nun sehr stark: Er war in einer Stadt, wo er keinen kannte, wollte die Führung des Hitlerreiches stürzen, musste dann flüchten, vor der Gestapo (Geheime Staatspolizei), vor der Kripo, vor dem SD (Sicherheitsdienst), dessen Führer Reinhard Heydrich ein fanatischer, sadistischer Nazi war. Er wollte in die Schweiz fliehen, über Konstanz. Elser ging sogar wieder regelmäßig zur Kirche. Das er sich vor niemandem aussprechen konnte, war für ihn schwierig.

Zu seiner Familie und zu seinem Freund Eugen hatte er den Kontakt verloren, nur zu seiner Schwester Maria hatte er noch Kontakt, ihr schickte er seine Habe, also seine Wäsche, Werkzeuge usw. Das Haus in der Türkenstraße hatte er jetzt aufgegeben, in den letzten Tagen (1.-6.Nov) lebte er bei seinem Münchner Freund, dem Schreiner Bröger.
5. November 1939: Im Bürgerbräukeller findet eine Tanzveranstaltung statt. Ein kleiner, schmächtiger Mann mit schwarzem gewelltem Haar, bleicher Gesichtsfarbe und bartlosem Antlitz löst ebenfalls eine Karte und sieht bei der Veranstaltung zu. Um 24 Uhr ist das Fest zu Ende und eine Stunde später verlässt Georg Elser sein Versteck im Abstellraum und macht sich an die endgültig letzten Vorbereitungen. Er setzt den Uhrenkasten mit der Zündung in die Säule ein (das wollte er schon am 4 November machen, musste dann aber feststellen, dass das Uhrengehäuse zu groß war. Am nächsten Morgen (5. Nov.) hobelte er das Gehäuse ab und feilte die Ecken weg, dann passte es und stellte das Uhrwerk auf 8 November 21.20 Uhr ein. Gegen sechs Uhr verließ er zum letzten Mal den Bürgerbräukeller. Die seelische Spannung, die auf ihm gelastet hatte, verflog mit einem Mal. Er hatte 35 Tage, jede Nacht gearbeitet, hatte immer befürchtet entdeckt zu werden, hatte gelitten und geschuftet. Doch jetzt tickte die Bombe, unaufhörlich.

Am 6 November 1939 kam Georg Elser in Stuttgart an, hier wohnte seine Schwester mit ihrem Mann Karl und Franz, ihrem kleinen Sohn. Seinen gesamten Besitz schenkte er ihnen, er würde bei seiner Flucht nur hinderlich sein. Nachdem er einen Tag dort verweilt hatte, nahm Elser am 7. November einen Zug nach München. Er hatte beschlossen noch einmal nach München zum Bürgerbräukeller zu fahren um festzustellen, ob die Uhren richtig gingen und ob sie nicht stehen geblieben waren. Nach so viel Arbeit wollte er am Ende nicht schlampen. Am Abend des siebten kam er in München an. Da er keine Zeitung las, blieb ihm eine Enttäuschung erspart. In den Zeitungen wurde gerade geschrieben, dass Hitler wahrscheinlich gar nicht nach München kommen würde diese Jahr. Statt ihm sollte sein Stellvertreter Hess sprechen. Das alles wusste Elser jedoch nicht. Im Bürgerbräukeller überprüfte er die Uhren, sie gingen richtig. Um sechs Uhr in der Früh verließ er den Saal durch den Küchennotausgang. Um zehn Uhr in der Früh löste er eine Fahrkarte nach Konstanz.

8 November 1939: "Der Führer" Adolf Hitler hatte mal wieder einen seiner Spontanbeschlüsse gefasst. Er flog nach München. Dort erwarteten ihn schon sehensüchtigst seine "Alten Kämpfer" und Parteigenossen. SA, SS und Parteimitglieder besetzten den Bürgerbräukeller bereits. In seiner ungewöhnlich kurzen Rede von nur 8 Minuten ließ sich der Demagoge über die Engländer aus. Hasstiraden kamen aus seinem Mund, gefolgt von frenetischen Jubel seiner Kameraden. Da das Wetter schlecht und neblig war entschied Hitler sich für eine Rückfahrt mit dem Zug, was allerdings weder Georg Elser noch Hitlers "Alten Kämpfer" wussten und diese wunderten sich bei Bier und geselliger, lärmender Runde nur darüber, "dass Adolf heit sehr kurz g'sprochen hot!" Um 21.13 Uhr fuhr der Sonderwaggon des Kanzlers, angekoppelt an den normalen Zug München-Berlin, nach Berlin.
 
 
Genau um 21.20 Uhr explodierte Elsers Bombe. Das Dach über dem Rednerpult stürzte ein, genau wie es der kleine Schreiner geplant hatte, sieben hohe Nazis waren sofort tot, über sechzig schwer verletzt. Hitler, dessen Schutzengel Überstunden zu machen schien (immerhin hatte es bis dahin schon einige Attentate gegeben), erfuhr in Nürnberg, dass ein Attentat auf ihn verübt worden war. Ruhig erklärte er, dass es für ihn Zeichen der Vorsehung sei. Er sei auf der richtigen Seite. 600.000 Reichsmark Belohnung wurden ausgesetzt, noch dachte man,
dass die Attentäter Engländer waren, eine kleine Clique und Hitler verlangte ihre sofortige Festnahme. Tatsächlich war die Naziführung derart von einer Gruppe überzeugt, dass als es feststand , dass Elser es gewesen war, sie von ihm unbedingt die Hintermänner genannt haben wollten.
 
Der "Reichsheini" (Heinrich Himmler, Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei) wollte von seinen Gestaposchergen klare Fakten hören: was soviel heißt wie, die Hintermänner des Attentäters Georg Elser, sind Engländer.